In der Ausgabe 04/2003 der Zeitschrift "Hunde-Welt" stellte der Deutsche Mopsclub e.V. die Rasse Mops vor.

Dr. Hellmuth Wachtel , Genetiker, Tierzüchter und Hundebuchautor aus Wien nahm dazu Stellung:

Zuchtspezial Mops

Das darf doch nicht wahr sein. Zum Thema ob alle Möpse schnarchen sagt Frau Inge Weßling vom Deutschen Mopsclub e.V.: "Ich fürchte ja....die Besitzer genießen das - es wirkt so schön beruhigend". Nun, ich hoffe sehr, die Besitzer beruhigt das keineswegs, denn es ist ein Symptom des BAOS (Brachycephalic airways abstruction syndrom), also von Atembeschwerden, weil zuviel nicht mit dem Schädel proportional verkürztes Weichgewebe die Atemwege verstopft. Dazu kommt noch die erhöhte Hitzeempfindlichkeit, was nach Frau Weßling weniger an der weggezüchteten Nase als an dem zu kurzen Hals liegen soll. Kein Wort darüber, was da züchterisch zu geschehen hätte, auch zu den vorgewölbten zu großen und daher verletzungsgefährdeten Augen!
Die Höhe ist, wenn noch allen Ernstes nach behauptet wird, die Rasse hätte sich im Wesentlichen nicht verändert, die Übertypisierung wäre vor Entstehung gravierender Probleme gebannt worden. Wo hätte die denn noch hin führen können, fragt man sich? Ein Blick auf die Darstellung des (von Brehm viel gelästerten) Mopses in dessen Tierleben der ersten Ausgaben zeigt einen eigenartigen, ausgesprochen hübschen, aufgeweckt aussehenden, muskulösen Hund mit kurzem Fang und ohne vorstehende Glotzaugen. Seither ist es gelungen, daraus einen schwammig wirkenden Typ mit zur Kugel komprimierten Kopf, praktisch ohne Nase auf Kosten von dessen Lebensqualität zu züchten.
Es ist unverständlich, dass im 21. Jahrhundert, nach der Konvention des Europarates zum Schutz der Heimtiere, dem Tierschutzparagraphen 11b und dem Verpflichtungsmanifest der Präsidenten der kynologischen FCI-angeschlossenen Verbände Deutschlands, der Schweiz und Österreichs gegen Übertypisierung solche Aussagen möglich sind. Nichts gegen den Mops, er muss unter allen Umständen erhalten werden, aber unter Gewährleistung der Voraussetzung für ein Leben mit guter Qualität. Das wieder zu erreichen müssen sich die mit ihm befassten Rasseclubs verpflichtet fühlen.

 

Dr. Hellmuth Wachtel

Zur Person:

Dr. Hellmuth Wachtel aus Wien gilt heute als einer der großen Kynologen des alten Schlags in Europa. Sein Leben lang hat er als Genetiker und Tierzüchter gearbeitet und ist in der kynologischen Fachliteratur im In- und Ausland führend.

Aus dem Gutachten zur Auslegung des § 11b des Tierschutzgesetzes schreibt er bzgl. Linien bzw. Inzucht:

Ich habe Abstammungsnachweise gesehen, die dokumentieren, dass enge Verwandte verpaart wurden. Wenn ich als Genetiker mit einer solchen Zucht beauftragt wäre, würde ich, aufgrund des vorhandenen genetischen Wissenstandes, mit einer Anzeige zu rechnen haben. Wie lange noch können sich Züchter zur Verteidigung gegen die Anschuldigungen, defekte Produkte zu liefern, auf Unwissenheit berufen?

(...) Ob dieses Vorgehen in der Heimtierzucht aus der heutigen Sicht ethisch noch zu verantworten ist, ist zumindest fraglich. Etwas mehr züchterische Geduld ist anzuraten.